Almabea
Verwandlungen

inspiriertes Schreiben




Willst du glücklich sein im Leben,
trage bei zu and’rer Glück.
Denn die Liebe, die wir geben,
kehrt ins eig’ne Herz zurück.

 
Dieser Spruch von Goethe stand früher sicher in manchem Poesiealbum und er hat auch heute noch seine Gültigkeit. Gerade diese Woche konnte ich als Überschrift eines Artikels Folgendes lesen: „wer anderen hilft, der hilft sich selbst“. Das hat bei mir Erinnerungen hervorgerufen, denn vor ein paar Jahren habe ich an einer Art „Glückskette“ mitgemacht. In einer deutschen Zeitschrift habe ich darüber gelesen und wollte ausprobieren, ob es einem wirklich glücklich macht, wenn man Anderen etwas Gutes tut.
Es ging darum, drei Menschen spontan Hilfe anzubieten und diese mussten dann wiederum drei Menschen Hilfe anbieten, egal in welcher Form. Ich wusste nicht worauf ich mich einliess, rief einfach Bekannte an und fragte ob sie irgendwelche Hilfe von mir benötigen können. So schleppte ich daraufhin für eine Freundin Kisten beim Zügeln, kochte für die drei Jungs von einem Bekannten Abendessen und half noch einer Nachbarin aus. Bei diesen Aktionen bekam ich viel Dankbarkeit und Anerkennung zurück und das hat mich sehr froh gemacht. Dazu kam noch, dass ich dann jener deutschen Zeitschrift einen Leserbrief mit meinen Erfahrungen geschrieben habe, dieser wurde dann zum Leserbrief des Monats erkoren und ich bekam deshalb einen Trainingsanzug geschenkt. So hat mir diese Aktion gleich doppelt Freude beschert.
Indem wir helfen, können wir unser Selbstbild verbessern, wir sehen uns selbst als gute Menschen. Wir fühlen uns mit anderen Menschen verbunden oder erhalten Dankbarkeit, das setzt viele positive Gefühle in Gang, die sich auf unser ganzes Wohlbefinden auswirken können. Deshalb helfen wir unbewusst uns selbst, wenn wir anderen etwas Gutes tun.

Es braucht überhaupt nicht viel dazu. Es sind die kleinen Dingen, die ohne grosse Anstrengung machbar sind. Manchmal genügt schon ein einziges Lächeln, das man einem Mitmenschen schenkt.

 
Altweibersommer
Sie sass am Bach auf einer Bank, eingehüllt in ihren warmen Mantel, die Ohren und den Kopf mit einem wollenen Tuch geschützt. Die klammen Finger in den Manteltaschen, denn die Handschuhe hatte sie wieder einmal zu Hause vergessen. Auch an die Sonnenbrille hatte sie nicht gedacht. So hielt sie die Augen geschlossen, damit sie nicht geblendet wurde, während sie ihr Gesicht von der Sonne bescheinen und wärmen liess. Obwohl, grosse Wärme kam da nicht an diesem Wintermorgen.
 
Seit Monaten kam sie immer wieder an diese schöne Stelle am Bach, zu dieser Bank, die sie jedes Mal einlud als hätte sie gerade nur auf sie gewartet. Denn immer war sie leer.
Damals im Sommer, als sie diesen Spaziergang zum ersten Male unternommen hatte, geschah dies nur um sich von diesen trüben, zerstörerischen Gedanken abzulenken. Trauer, Verzweiflung und auch ein wenig Wut. Wut darüber, weil er sie einfach zurück gelassen hatte. Alleine gelassen, in dieser Welt. Sich lautlos davongeschlichen hatte. Trauer weil er ja nichts dafür konnte, dass er einfach so plötzlich starb. Verzweiflung weil sie nicht wusste, wie sie ohne ihn leben sollte.
Um all diese Gedanken in Ruhe zu verarbeiten können, machte sie sich auf , Raus in die Natur. Zuerst dachte sie, das geht vorüber. Das ging es auch, die trüben Gedanken wichen um anderen Platz zu schaffen. Sie sinnierte, wann es sich denn verändert hatte. Wann war die entscheidende Wende gekommen? Was war der Auslöser gewesen?
Mit einem Lächeln auf dem Gesicht, kam die Erinnerung an diesen jenen Tag zurück. Ja sie erinnerte sich nun ganz genau daran. Es war an einem, dieser wundervollen Spätsommertage – oder besser Frühherbstage? – geschehen. Für sie war es aber ein ganz typischer Altweibersommer-Tag, wie es im Volksmund so schön hiess. Dieser Ausdruck erschien ihr so passend, passend auch zu ihrem Leben. Alleine, nicht mehr ganz jung und noch nicht ganz alt. Wie wenn der Sommer des Lebens, mit seiner Hitze, Schwüle dem Herbst mit seinen kühlenden Winden und doch angenehmen Temperaturen Platz macht. Quasi als Vorbereitung auf den kommenden kargen Winter. Jetzt war Winter. Doch sicher noch nicht in ihrem Leben. Da herrschte noch immer dieser prachtvolle Altweibersommer. Von Herbst wollte sie noch gar nichts hören. Sie hatte ihre Lebensfreude wieder gefunden, an jenem zauberhaften Tag im Altweibersommer, der mit seinem speziellen Licht alles so anders und schöner scheinen liess. Eine wohlige Wärme verströmte, nichts mehr von dieser verbrennenden schwüler Hitze des Sommers.
 
Wie war sie doch glücklich, hatte sie damals – als es ihr so schlecht ging – den Rat von ihrer Kusine Marie-Louise befolgt und war losgezogen um Ruhe zu finden in der Natur. Jedoch musste sie heute feststellen, anfänglich hatte sie überhaupt nichts von dieser wunderbaren Umgebung wahrgenommen. Das passierte erst so ganz allmählich, täglich ein wenig mehr. Und heute konnte und wollte sie diese wunderbaren Gänge in die Natur nicht mehr missen. Egal welches Wetter herrschte – innen wie aussen. (12.2009)


Der Tanz
Seit langem war sie wieder einmal im Wald. Es kam ihr vor, als würde sie aus einem langen, tiefen Schlaf aufwachen. Aber sie war schon wach, schlief nicht. Ihr Herz klopfte schmerzhaft, jeden Schlag spürte sie im ganzen Körper, liess sie schmerzhaft erleben, dass sie nicht schlief.
Andere hatten nachts im Wald vor Angst solches Herzklopfen. Aber es war Tag, sie hatte keine Angst und es pochte so fest es konnte. Gleichzeitig konnte sie den Wald, die Erde riechen, die Sonnenstrahlen, die sich durch das Blätterdickicht einen Weg bahnten, sehen. Die Kühle des Waldes auf der Haut spüren. Und im vorbeiweg offenbarten ihr die Rinden der Bäume Gesichter, Geschichten und Bilder als wäre sie ein Teil davon. Während sie so ging, kam ihr immer wieder der Gedanke – nein es war eher als würde es ihr jemand sagen – Waldfrau. Waldfrau oder war es Waldelfe? Waldfrau entschied sie sich, das war irgendwie passender. Jedoch spielten Worte oder Namen keine Rolle in diesem Moment.
Der Duft des Waldes umhüllte sie und das Geräusch der säuselnden Blätter lullte sie beinahe ein. Und immer noch pochte das Herz so schmerzhaft. Neben ihrem Herzschlag hörte sie die Stimmen – die Stimmen des Waldes. Sie blieb stehen, lauschte. Hatte einen Moment lang das Gefühl des „Nach Hausekommens“ und doch war es fremdartig. Als würde sie nicht ganz hier und nicht ganz dort sein, in zwei Welten sich bewegen. Sich dem Wald nicht ganz hingeben können.
Der irdische Teil, mit dem heftig pulsierenden Herzen zwang sie, sich einen Platz zum Innehalten zu suchen. Sie brauchte diese Rast, dieses zur Ruhe kommen, damit sie sich diesen Gefühlen ganz hingeben konnte ohne dass ihrem Körper etwas passierte.
Langsam konnte sie fühlen, dass es da war. Das vertraute Gefühl, dass sie angekommen war in jener Welt. Über ihr die mächtige Buche, die sie mit ihren Ästen, wie eine Mutter ihr Kind, umarmte und willkommen hiess. Ein kleiner Ast vom Baum daneben schien sie zu streicheln: „schön dass du da bist“. Plötzlich begannen sie zu tanzen. Zuerst hörte sie nur das leise wispern der tanzenden Blätter, die sich für sie hin und her wiegten, dann wurde es immer lauter - ein Rauschen wie bei einem Sturm - kam auf. Kein Sturm, nur die Bäume die zur Zaubermusik der Natur tanzten. Dass sie an diesem Schauspiel teilnehmen durfte, machte sie unendlich glücklich. Sie fühlte sich leicht, beschwingt und aufgenommen in diesen Tanzreigen der Bäume. Beinahe kam es ihr vor, sie würde sogar mittanzen mit den Bäumen. Behütet und geborgen im Schoss von diesen mächtigen Begleitern. Ein Singsang der Blätter liess sie wissen, dass sie ein Kind des Waldes sei.
Sie erinnerte sich, dass sie diese Worte immer wieder zugeflüstert bekam im Wald. Waldkind, Waldfrau, wie auch immer…. Nicht immer war es aber so einfach wie heute, sich mit dem Wald und seinen Bewohnenden zu verbinden. Jedoch war sie jedesmal von tiefem Glück erfüllt, wenn es einfach passierte, so wie heute.